Placebo
Support: Expatriate
Toulouse, 9. November 2009

(Von Maud)

Es war so weit! Endlich würde ich Placebo wieder live sehen. Placebo, wisst ihr? Die Band die ich nie loswerden konnte, die Band zu der ich immer wieder zurückkehrte.
Ich kam mit zwei Freundinnen, Ana und Cyrielle, gegen 16 Uhr an und es waren überraschend wenig Leute da.
Leider war ich nicht in der Menge, trotzdem hatte ich einen guten Platz erwischt, mit ziemlich guter Sicht auf die Bühne.
Die Vorband hatte ich mir vorher noch nie angehört und somit wusste ich absolut nicht was mich erwarten würde. Der Bandname Expatriate klang etwas komisch und da ich Placebo's seltsamen Geschmack, was Supportbands angeht kenne (abgesehen von den weit mehr als großartigen, RIP, Colour Of Fire), erhoffte ich mir auch nicht all zu viel.

Nach einer bizarren Auswahl an Kurzfilmen von Placebo, standen sie nun da, auf der Bühne, alle um die 20. Und es BEWEGTE mich. Sie hatten so viel zu geben, so viel Energie! Anscheinend war Ben, der Sänger, ein wenig krank (Halsschmerzen, wie ich hörte), aber es war trotzdem umwerfend.

Ich erinnere mich noch, wie ich den Refrain von Gotta get Home mitsang, obwohl ich das Lied vorher noch nie gehört hatte. Danach spielten sie noch Crazy, Get out, Give in und das wunderbare Shooting Star (ich glaube ich hatte Gänsehaut als ich es zum ersten mal hörte).
Vorallem erstaunt, war ich über die stimmliche Harmonie. Die drei Gesangsstimmen passten perfekt zusammen, wie ich finde.

Mir gefielen auch die vielen Einflüsse, die man aus ihrer Musik herraushören konnte. Von The Smiths bis Echo & The Bunnymen und sogar einen Hauch von New Order und U2 waren dabei. Alles ineinander vermischt, ergab es einen berauschenden eigenen Stil. Sie spielten um die sieben Songs, bevor sie im tosenden Applaus die Bühne verliessen. Lasst mich eine glänzende Zunkunft für diese Jungs vorhersagen.

Danach mussten wir uns wieder ein paar Kurzfilme anschauen. Ich habe nichts gegen sie, ich meine, sie machen das Warten tatsächlich etwas erträglicher, aber ebenso zerstören sie ein wenig die Vorfreude aufs Konzert.

Gegen 21 Uhr kamen aus den Wänden himmliche Stimmen. Placebo sprangen auf die Bühne um mit For What It's Worth die Show zu eröffnen, ohne ein Wort ans Publikum folgten Ashtray Heart und Battle for the Sun.

Als sie anfingen Soulmates zu spielen, spürte ich ein Kribblen in meinem Bauch. Ich denke es muss eine Art "Zeiteffekt" geben, denn 2003, als der Song erschien, war ich nicht wirklich angetan von diesem Lied. Vielleicht ist etwas das neu ist, nicht so gut wie das gute Alte? Jedenfalls brachte es mich zurück, in 2003 als Brian immer kahler wurde und Steve noch Hewitt hieß und nicht Forrest.

Speak in Tongues kam als nächstes. Ich mochte es schon auf dem Album nicht und live genauso wenig.

Follow the Cops Back Home , ließ mich wieder innerlich erschaudern. Es war emotional, Brians Stimme war noch nie so dramatisch gewesen. Ich hatte beinahe Tränen in den Augen (und nein, ich habe während Titanic nicht geweint!). Als Every You Every Me begann konnten wir nicht anders als auf zu stehen. Ich konnte von meinem Platz aus sehen wie das Publikum durchdrehte. Leute hüpften und tanzten, wie in Trance. Placebos Entscheidung Special Needs direkt danach zu spielen war genau richtig. Wieder packte mich dieses "oh, das ist alt, das ist gut" Gefühl. Ich weiß noch, dass dies der Lieblingssong eines guten Freundes von mir war, damals in 2003. Wir sangen es ständig während unseren Pausen auf dem Gymnasium. Aber genug der Erinnerungen!
Nach Special Needs ging es weiter mit dem brandneuen Breathe Underwater, welches meiner Meinung nach das beste Lied vom neuen Album ist. Steve Forrests Schlagzeug Spiel beeindruckte mich schon sehr. Die Art wie er seine Drum Sticks schlug war so kraftvoll, stark und prezise. Es schien wirklich, als würde dieses kleine Bürschchen, der Band neuen Schwung und Jugend verleihen. Und tatsächlich lächelte Brian Molko ununterbrochen, er sah jünger aus, schien fit und gesund, vielleicht weniger attraktiv, aber was macht das schon solange er tolle Musik macht?

Bevor das nächste Lied begann, brachte ein Mann ein Piano auf die Bühne, während Brian uns erklärte er wolle uns nun mit nach Kambodscha nehmen. Sie spielten eine Akustik Version von Because I want You. Ich muss zugeben, ich habe dieses Lied nie sehr gemocht. Ich empfand es immer als zu ziellos, zu glatt, zu weing Derbheit. Diese Version allerdings, verleihte dem Song viel mehr Gefühl. Ich möchte nicht sagen dass ich mich in dieses Lied verliebt habe, aber es wurde dadurch auf alle Fälle interessanter als gedacht. Twenty Years vervollständigte die herzzereissende Piano Session.

Schnell verstauten sie ihr weißes Keyboard, Stefan nahm sein Bass wieder in die Hand und Steve "the Beat" leitete das Disco Intro von Julien ein. "Nun, nehmen wir euch mit, zu einem Nachtclub, ein beschissener Nachtclub, in dem ihr euch trotz der Leute um euch herum einsam fühlt."

Nun, vielen Dank Brian. Vom Beat mitgerissen, konnte niemand anders, als zu tanzen. Das gleiche passierte bei The Never-Ending Why. Und weil Placebo nicht Placebo wären, ohne ihre traurigen Lieder, brachten sie uns zu unserem wundesten Punkt, in dem sie Blind spielten.
Gefolgt von Devil in the Details, Meds, Song to say Goodbye.
Nach einanderthalb Stunden, kam die erste Zugabe. Wieder erklangen himmlische Stimmen aus den Wänden. Steve tauchte als erster wieder auf, kurz danach gefolgt von Stefan und Brian. Sie spielten Bright Lights, Special K und The Bitter End. Ich war ziemlich überracht von Bright Lights. Auf dem Album fand ich es zu poppig. Live allerdings überzeugte mich die Energie, die Steve rainbrachte und der 'Chorgesang', als alle drei im Einklang sangen. Es war wunderschön.
Wieder einmal verliessen sie die Bühne, damit die Leute ein letztes mal ausflippen konnten.
Zurück auf der Bühne, spielten sie ihren brandneuen Song Trigger Happy. Um ehrlich zu sein kann ich noch imer nicht sagen ob ich dieses Lied mag oder nicht. Ich meine, es ist ein netter Song. Trotzdem nicht wirklich besonders oder originell. Die Texte klingen wie ein schlechtes Manifest einer revolutionären Party. Zum Glück ging es dann weiter mit Infra-red und Taste in Men, bei dem sich Stefan von den Fans anfassen ließ. Entäuschenderweise tanzte er aber nicht.

Ende der Show.

Ich war recht entzückt von Steves Energie, seiner "Joie de Vivre", vielleicht auch ein wenig von seiner Naivität gegenüber der Musikindustrie. Die Band schien glücklicher als je zuvor und musikalisch wie immer brilliant, was denn sonst? Es war ein Vergnügen nach sieben Jahren verrückter Fan Liebe, noch immer hier mit ihnen zu stehen.

Danke für alles, Placebo.



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