Suede
London, 23. März 2010
Als Suede 1992 ihre ersten Singles aufnahmen, waren sie das beste was dem englischen Königreich seit The Smiths passiert war. Sie sahen aus wie eine moderene Version, von viktorianischem Adel, die elegant ihr Tee schlürften, bevor sie sie zu Rock'n'Roll Bestien wurden, die von nuklearen Himmeln und vorstädtlichen Jungs & Mädchen sangen.
Sie waren was jede Rockband sein sollte: Sexy, intelligent, arrogant und ganz wichtig, ihre Songs waren absolut brilliant, die perfekte Mischung aus "Killer Riffs", Pop Melodien und fazinierenden Texten, die all die Liebe & das Gift Londons feierten. Doch nach ihrem letzten und schlechtesten Album "A new Morning", vergass die Welt, dass ohne diese Jungs, Bands wie Blur, Pulp oder selbst Oasis nie eine einzige Platte verkauft hätten. Suede schafften das Foundament zum Britpop Schloss und als dieses zusammenfiel, waren sie die ersten die unter den Ruinen verschwanden. Sieben Jahre nach ihrer Auflösung, haben Suede eine Menge vorzuweisen. Ursprünglicher Bassist Bernard Butlers, ist natürlich abwesend, aber mir persönlich ist das egal: seine Réunion mit Brett 2005 unter dem Namen "The Tears", zeigte deutlich, dass die artistische Flamme zwischen den beiden nicht für die Ewigkeit bestimmt war. Mat Osman, Simon Gilbert und noch überraschender Keyboarder Neil "Pin-Up Boy Codling", nahmen die Einladung zur Wiedervereinigung an. Und ich hätte nie gedacht das ich das mal sagen würde, aber Suede im jahr 2010 sind großartig.
Suede eröffnen das Konzert und unser erster Gedanke ist "verdammt, wir sind zurück in 1996!" Die Band ist in bester Form und Songs wie "Animal Nitrate", "The Beautiful Ones", "Killing of a Flashboy" und die Fan Hymne "Trash" klingeln erstaunlich modern und kraftvoll. Vielleicht zu kraftvoll: nach dem Konzert, beklagte sich Roger Daltrey es wäre zu laut gewesen! "The Drowners", die perfekte Single die Suedes Karriere 1992 kometenartig antrieb, ist nicht gealtert und das Publikum singt mit zum tollen Refrain "you're taking me over, you're taking me over".
Heute Abend, begrüssen Suede ihr Publikum nicht nur mit einer atemberaubenden Performance ihrer besten Lieder. Sie haben etwas zu beweisen, nehmen die Bühne wie Gladiatoren und es scheint als würden sie in das Gesicht der Menschen schreien "seht ihr, wie waren einst die beste Band in Großbritanien und hatten uns unsere Krone verdient". Brett pflegte zu sagen, dass ihre früheren Konzerte immer eine Konfrontation zwischen der Band und das Publikum waren. Fast 20 Jahre später, ist die Wut noch immer da. Brett tanzt, springt und rennt über die Bühne wie ein besessener Mann, nur um Suede's beste Kompositionen, wie "The Next Life", "He's Gone", "Pantomime Horse" oder "The Living Dead" zu singen setzt er sich. Seine Stimme klingt perfekt, pur und wahrhaftig ergreifend. Doch nach einer brillianten und furiosen Version von "Metal Mickey", wird der Abend historisch: die Band hält inne und schaut dem Publikum beim applaudieren zu. 3 volle Minuten ohrendbetäubeneden Applauses, Geschrei und immenser Freude. Suede sind offiziel zurück und geniessen jede Sekunde dieser herzlichen Umarmung. Das ist mit Abstand, der schönste Moment den ich während eines Konzertes je erlebt habe.
Als Brett den letzten Song "Saturday Night" ankündigt, sind alle Leute um mich in Tränen. Vielleicht weil sie niemals damit gerechnet hätten die Band je wieder live zu sehen. Vielleicht weil sie nicht wollen, dass dies das letzte Konzert gewesen sein soll. Oder weil sie froh sind ihre Lieblingsband in kompletter Konstellation wieder zu sehen, nach dem Tour Disaster 2003. Brett ist sein Charakter losgeworden, der wie verloren in einem Burroughs' Buch erschien. Eine Diva dessen Stimme langsam durch seine Crack Pfeife zerstört wurde. Heute sieht er glücklich aus und stolz auf seine Band. Die Band die er immer versucht hatte zu retten, selbst in den härtesten Zeiten, in der kein Mensch mehr an ihn geglaubt hat. Nach "Metal Mickey" und bevor dem ersten Refrain von "The Wild Ones", sagte Brett in einem bedrohlichem Ton "Wir sind noch nicht fertig!" Das stimmt, und all die Leute die dachten Suede würden für immer nur eine wage Erinnerung bleiben, eine längst vergessene Band die ihre 15 Minuten Ruhm hatten, lagen anscheinend falsch. Und heute Abend sind wir "The Wild Ones" und werden es immer bleiben!
Setlist
SheTrash
Filmstar
Animal Nitrate
Heroine
Pantomime Horse
The Drowners
Killing Of A Flashboy
Can't Get Enough
Everything Will Flow
He's Gone
The Next Life
The Asphalt World
So Young
Metal Mickey
The Wild Ones
New Generation
Beautiful Ones
***
The Living Dead
The 2 Of Us
Saturday Night
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